Ist der Mensch multitaskingfähig? Die häufigsten Irrtümer über Multitasking und wie Du Deine Produktivität wirklich steigerst

Multitasking-produktivitaet-widerspruch

Belastbar, flexibel und leistungsfähig – das sind die Erwartungen der modernen Gesellschaft an den Einzelnen.

Wer nicht multitaskingfähig ist, hängt der Zeit hinter her, so heißt es. Dabei wird Multitasking schon beinahe als Synonym für hohe Produktivität verstanden.

Immer mehr und mehr Aufgaben bürdet uns die moderne Schnelllebigkeit auf. Am besten erledigt man wie ein Computer alles gleichzeitig.

Doch wer weiß, wie Computer funktionieren, dem fällt auf: wenn es sich nicht gerade um einen Quanten-Computer handelt, rechnen auch diese nacheinander und nicht zeitgleich.

Ist der Mensch also überhaupt in der Lage mehrere Dinge gleichzeitig zu tun? Und wenn ja, ist er dadurch produktiver?

Wir haben Studien aus der Psychologie und der Hirnforschung für Dich ausgewertet und klären über die gängigsten Mythen rund ums Multitasking auf.

5 Mythen über Multitasking

  1. Frauen können besser multitasken als Männer
    Hirnforscher Ernst Pöppel hat in seinem Leben Männer- und Frauengehirne untersucht. Sein Fazit: Jedes Geschlecht hat seine Stärken. In der Multitaskingfähigkeit unterscheiden sich Mann und Frau aber nicht. [1]
     
    Die Gehirne sind hinsichtlich des Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis anatomisch identisch. Der oft angeführte Unterschied in der Verbindung der Gehirnhälften, hat damit nichts zu tun.
  2. Unsere Wahrnehmung bestimmt, wie multitaskingfähig wir sind
    Das ist zwar richtig, aber im Zuge der digitalen Revolution hat sich auch die Anzahl der Reize verändert. Heute strömen täglich Milliarden von Reizen auf uns ein. Vor einigen Jahrzehnten war es nur ein Bruchteil dessen. Daher ist der moderne Mensch nicht gleichbedeutend auch besser im Multitasking.
     
    Das Problem der Reizüberflutung: Unsere Hirnneuronen sind aufs Überleben programmiert. Treffen mehrere Reize ein, selektiert und priorisiert unser Gehirn. Wie durch einen Trichter kommt nur ein Bruchteil dessen in unserem Bewusstsein an, was tatsächlich von außen einströmt.
  3. Autofahren, essen, singen geht alles zeitgleich
    In diesem Fall kann das je nach Fahrautomatismus zutreffen. Fährst Du beispielsweise täglich zur Arbeit, ist diese Strecke für Dich eine Routine. Daher kannst Du hier durchaus mehrere Dinge gleichzeitig machen und zum Beispiel nebenher essen, singen oder über andere Dinge nachdenken.
     
    Fährst Du allerdings in einer fremden Stadt mit Linksverkehr im Ausland, wirst Du das vermutlich nicht können. Das bedeutet, dass Automatismen durchaus gleichzeitig ablaufen können. Stehen allerdings mehrere konzentrationsfordernde Aufgaben an, ist unser Gehirn nicht in der Lage, diese zeitgleich zu bearbeiten.
  4. Multitasking erhöht die Produktivität
    Wer mehrere (nicht automatisierte) Aufgaben gleichzeitig bearbeitet, zwingt seine Aufmerksamkeit zu einem ständigen Hin- und Herspringen der Gedanken. Denn die bewusste Aufmerksamkeit ist nicht teilbar.
     
    Wer glaubt hierdurch schneller und effektiver zu arbeiten, unterliegt einem Trugschluss. Denn in Wirklichkeit büßen wir durch das ständige Hin- und Herschalten Produktivität ein. So geht durch jeden Gedankenwechsel Zeit zur Neuorientierung verloren.
  5. Multitasking kann man trainieren
    Multitasking für anspruchsvolle Aufgaben existiert nicht wirklich. Unsere Aufmerksamkeit springt tatsächlich einfach nur sehr schnell hin und her. Eben dieses Umschalten zwischen verschiedenen Aufgaben kann man aber trainieren, so Prof. Schubert Neurowissenschaftler an der Ludwig-Maximilian-Universität München.
     
    Wer Aufgaben unter Zeitdruck löst, zum Beispiel Sudokus oder Kreuzworträtsel, kann damit seine Aufmerksamkeit trainieren. Auch actionreiche Computerspiele oder spezielles Gehirntraining kann helfen. Aber macht das denn überhaupt Sinn, etwas zu trainieren, was ohnehin unproduktiv ist? [2]

Der Irrglaube des Multitaskings: das passiert in unserem Gehirn dabei

Multitasking ist ein Begriff aus der Computertechnik und beschreibt die Fähigkeit, mehrere Aufgaben zeitgleich durchführen zu können. Seit einiger Zeit überträgt man diese Fähigkeit auch auf Menschen. So soll es gute und schlechte Multitasker geben.

Dieser Irrglaube, tatsächlich mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen zu können, ist vermutlich unserem Arbeitsgedächtnis geschuldet. Dieses ermöglicht es uns nämlich Routineaufgaben ohne unsere direkte Aufmerksamkeit auszuführen.

So muss man nach einigen Jahren Autofahrpraxis wohl kaum noch aktiv darüber nachdenken, wann und wie man schaltet, wo der Schleifpunkt ist etc. Bei solchen Automatismen ermöglicht das Arbeitsgedächtnis tatsächlich Multitasking: eine automatisierte Handlung und aktives Nachdenken über andere Dinge zur gleichen Zeit.

Wer aber denkt, er könne Zeit sparen, indem er gleichzeitig telefoniert und nebenher ein Buch liest, wird sich im Anschluss wundern, wie wenig der gelesenen Seiten er wiedergeben kann. Der Gesprächspartner wird sich für die geteilte Aufmerksamkeit höchstwahrscheinlich auch nicht bedanken. Im Endeffekt brauchst Du also sogar länger.

Diese negativen Folgen hat Multitasking:

  • Verminderte Reaktions- und Aufnahmefähigkeit
  • Stress und Stresssymptome wie Rücken- oder Kopfschmerzen
  • Geringere Produktivität
  • Schlechtere Gedächtnisleistung und Konzentration [3]
Bonus:
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat einen Ratgeber zum Thema Multitasking herausgebracht. Neben den gesundheitlichen Risiken, die Multitasking mit sich bringt, werden auch Präventionstipps für Einzelpersonen und Organisationen gegeben: Hier geht’s zur Informationsbroschüre

Clifford Nass von der Stanford University untersuchte selbsternannte Multitasker und bestätigt wie viele andere Studien die Vermutung: Multitasking existiert nicht. Wer es dennoch probiert, ist unkonzentrierter und unproduktiver.

So ließen sich die Probanden seiner Studie deutlich häufiger von einer Aufgabe ablenken, als eine Vergleichsgruppe, die selten Multitasking betreibt.

Ergebnis:
Die menschliche Aufmerksamkeit ist nicht teilbar. Wir sind schlicht nicht dazu im Stande, mehrere konzentrationsfordernde Aufgaben zeitgleich zu bewältigen. Die Folge ist, wer dennoch Multitasking versucht, springt zwischen den Aufgaben hin und her. Damit vergeudet man nicht nur Zeit, sondern senkt auch die Qualität seiner Tätigkeiten. [4]

Wer hingegen seine Produktivität steigern will, sollte auf Multitasking verzichten und stattdessen seine Aufgaben priorisieren und nacheinander mit voller Konzentration abarbeiten. Die folgenden Tipps können außerdem helfen, in weniger Zeit mehr zu schaffen.

3 wertvolle Tipps für mehr Produktivität

1

Motivation & Leidenschaft

Um loszulegen muss man aufhören zu Reden und anfangen zu Handeln. -Walt Disney

Es gibt die Menschen, deren Tag scheinbar 30 Stunden lang ist. Ihre Produktivität ist um Meilen besser, als die eigene. Zudem sind sie meist noch extrem erfolgreich.

Menschen wie Elon Musk, Bill Gates, Steve Job und Co. sind dabei aber keinesfalls Übermenschen. Sie haben eine Gemeinsamkeit: sie folgen Ihrer Leidenschaft.

Wer das nicht tut, wird niemals das selbe hohe Niveau an Motivation erreichen und daher auch nicht so produktiv sein.

Träumst Du von einem Job, der Dich erfüllt? Hör auf zu träumen! Finde Deine Leidenschaft und gehe ihr nach. Nicht morgen oder in einer Woche, sondern jetzt.

Das heißt nicht, dass Du sofort Deinen Job kündigen sollst. Jeder fängt klein an. Und so kann sich aus einem Hobby schon bald ein neue „Berufung“ entwickeln.

2

Priorisierung

Was wichtig ist, ist nicht immer dringend, und was dringend ist, ist nicht immer wichtig. -Dwight D. Eisenhower

Nur weil Du bisher viel beschäftigt bist, heißt das nicht, dass Du automatisch auch produktiv bist. Dafür ist es entscheidend, seine Aufgaben der Wichtigkeit und Dringlichkeit nach zu priorisieren.

Starte daher am besten mit einer ToDo-Liste. Das kannst Du entweder auf einem Stück Papier oder mit Online-Tools wie Meistertask oder Trello machen.

Hast Du all Deine Aufgaben für einen gewissen Zeitraum (bspw. eine Woche) niedergeschrieben, priorisiere sie nach dem Eisenhower-Prinzip in vier Quadranten:

Eisenhower-Prinzip Multitasking

Die Reihenfolge Deiner Aufgaben ist nun selbsterklärend. Man fängt mit den wichtigen und dringlichen Aufgaben an und hört bei den unwichtigen und nicht dringlichen Aufgaben auf, sofern man dafür Zeit hat. Diese Tätigkeiten kann man ansonsten auch delegieren oder einfach streichen.

Deine nun ermittelten Aufgaben solltest Du nach dem Pareto-Prinzip (auch 80-20-Regel genannt) bearbeiten. Dieses Prinzip besagt, dass sich mit 20% Aufwand 80% der Ergebnisse erzielen lassen. Setze also immer zuerst beim größten Hebel an und meide übertriebenen Perfektionismus.

Für die weitere Organisation helfen Dir:

  • ein Kalender oder Terminplaner mit Erinnerungsfunktion (z.B. Google Kalender)
  • Desktopnotizen wie z.B. Sticky Notes
  • ein Desktop-Timer für fokussiertes Arbeiten in Produktivitätsblöcken (z.B. SnapTimer)

Ebenfalls interessant:
[Infografik]: 10 Produktivitätsweisheiten erfolgreicher Persönlichkeiten

3

Ergonomie am Arbeitsplatz

Rückenschmerzen sind das Volksleiden #1. Häufigste Ursache ist Bewegungsmangel und eine falsche Körperhaltung, meist verursacht durch ungünstige Büromöbel.

Und wer Schmerzen hat, wird kaum produktiv arbeiten können. Mit einem ergonomischen Arbeitsplatz förderst Du Deine Bewegung, verbesserst Deine Arbeitshaltung und erhöhst Deine Produktivität.

Laut einer Studie der Washington State University kann das Arbeiten mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch Deine Produktivität um bis zu 12% steigern. Der Vorteil durch das Stehen ist, dass Dein Stoffwechsel angeregt und somit Deine Gehirndurchblutung verbessert wird. [6]

Stehtisch Multitasking

Du willst Deine Produktivität noch mehr stärken? Dann empfehle ich Dir auch die folgenden Tipps umzusetzen:

  1. Entferne alle Störquellen
  2. Strukturiere Dein Zeitmanagement
  3. Organisiere Deinen Schreibtisch
  4. Treibe regelmäßig Sport als Ausgleich und um Deinen Kreislauf anzuregen
  5. Achte auf Deine Work-Life-Balance und nimm Dir auch Zeit für Dich

Weitere Ergonomie-Tipps:
„Die 144 besten Tipps für mehr Gesundheit, Produktivität & Ergonomie am Arbeitsplatz

Fazit: Der Mensch sei multitaskingfähig, ist ein Irrglaube

Aus neurobiologischer Sicht existiert Multitasking nicht. Denn das menschliche Gehirn kann seinen Fokus stets auf nur eine Tätigkeit legen. [5]

Automatismen wie Autofahren, Essen oder andere „eingefleischte“ Bewegungsabläufe können hingegen auch gleichzeitig ausgeführt werden. Grund hierfür ist unser Arbeitsgedächtnis, welches Routinen abspeichert und somit unserer Aufmerksamkeit und unseren Gedanken Freiraum für weitere Dinge gibt.

Wer seinem Gehirn nicht die Ruhe und Zeit für intensives Denken einräumt, wird am Ende des Tages auch nicht viel geschafft haben.

Ich arbeite daher in Produktivitätsblöcken von 45 Minuten. Nach dieser Zeit erinnert mich mein Desktop-Timer daran, eine Pause zu machen. Diese nutze ich meist für ein kurzes Mobilisationsprogramm und Stretching für neue Energie.

Wenn Du noch weitere Tipps hast, freue ich mich über Deine Erfahrungen in den Kommentaren!

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von Krystian Manthey

Trotz viel Sport hatte Krystian bereits mit 16 Jahren starke Rückenschmerzen. Genervt vom ergebnislosen Ärztemarathon und etlichen Behandlungsmethoden, eignete er sich durch zahlreiche Bücher, Studien und Gesundheitskurse das notwendige Wissen an, um seinen Rückenleiden den Garaus zu machen. Krystians Motto: […] Glücklich [ist,] wer Gesundheit, Zufriedenheit und Bildung in sich vereinigt.“ (Thales)

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Ein Kommentar zu “Ist der Mensch multitaskingfähig? Die häufigsten Irrtümer über Multitasking und wie Du Deine Produktivität wirklich steigerst

  1. Doro sagt:

    Ein sehr guter Artikel! Ich lese viele Bücher und merke, dass ich ab und zu zu anderen Themen abweiche und dann gar nicht mehr weiß was ich eben gelesen habe.
    Multitasking ist halt nichts für Menschen und das ist hier sehr gut erklärt worden.

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