Schulterluxation: 7 einfache Übungen und Behandlungsmöglichkeiten gegen Schmerzen bei ausgekugelter Schulter

Was es bei der Schulterluxation zu beachten gibt und wie man ihr langfristig vorbeugt

Wer sich schon einmal die Schulter ausgekugelt hat, weiß welch schmerzhafte Odyssee damit verbunden ist. Eine Bewegung des betroffenen Arms grenzt dann meist an Unmöglichkeit.

Denn um den großen Bewegungsradius des Schultergelenks zu ermöglichen, stabilisieren insbesondere viele Muskeln, Sehnen und Bänder und die Gelenkpfanne ist eher klein. Daher gehört die ausgerenkte Schulter (medizinisch auch Schulterluxation oder Schultergelenkluxation genannt) auch zu den häufigsten Luxationen menschlicher Gelenke.

Wenn Du gerade von einer Schulterluxation betroffen bist, sie gerade hinter Dich gebracht hast oder einfach nur daran interessiert bist, ihr gezielt vorzubeugen, helfen Dir die folgenden Tipps, Hausmittel und Übungen.

Symptome und Heilungsdauer bei einer Schulterluxation

Bei einer ausgekugelten Schulter ist das häufigste Symptom ein akuter, starker Schmerz. Damit einhergehend ist Deine Bewegungfähigkeit oft stark eingeschränkt. Begleitsymptome können sein: Schwellungen, Blutergüsse oder Kribbel-/Taubheitsgefühle

Beim Rausrutschen beziehungsweise Reißen der Gelenkteile werden meist auch Bänder, Nerven und Muskeln beschädigt. Daher ist die Heilungsdauer – je nach Beschädigungsausmaß und Konsequenz in der (Selbst)Behandlung – auch entsprechend lang und dauert zwischen wenigen Wochen bis mehreren Monaten. [1]

Um die Heilung wirksam beschleunigen zu können, musst Du jedoch erst die Ursachen der Schulterluxation verstehen.

Schulterluxation Ursachen & Risikofaktoren

Das Schultergelenk besteht prinzipiell aus dem Gelenkkopf, der in der Gelenkpfanne “liegt”. Damit die Schulter einen so großen Bewegungsradius haben kann, ist die Gelenkpfanne kleiner als der Gelenkkopf.

Sie wird zwar von Muskeln und Bändern der Rotatorenmanschette stabilisiert, ist aber durch die wenig stützende und zudem recht flache Gelenkpfanne sehr instabil. Eine große oder abrupte Krafteinwirkung führt daher schnell zu einer Luxation, also zum Auskugeln des Gelenks. Dabei “hüpft” der Gelenkkopf aus der Gelenkpfanne.

Schulterluxation mit anatomischer Ansicht des Schultergelenks

Neben Unfällen, Stürzen oder anderen akuten Überlastungen als Hauptursache gibt es einige Ursachen und Risikofaktoren, die das Ausrenken der Schulter stark begünstigen: [2][3]

  • Bewegungsmangel
  • Einseitige Fehlbelastung (z.B. stundenlange PC-Arbeit)
  • Schlechte Körperhaltung
  • Fehlende Ergonomie

Die Folge all dieser Risikofaktoren sind verklebte Faszien, verkürzte Sehnen und Bänder und schwache Haltemuskeln in der Schulter. Und was schwach und unbeweglich ist, neigt natürlicherweise eher zu überlastungsbedingten Schäden wie einer Schulterluxation.

Aber auch eine (meist angeborene) Bindegewebsschwäche begünstigt das Auskugeln von Gelenken. Jedoch können auch hier eine starke Rotatorenmanschette und das Beseitigen anderer Risikofaktoren einer Schulterluxation effektiv vorbeugen.

Welche Formen der Schulterluxation gibt es? [4]

  • Die traumatische Schulterluxation gehört zu den meist verbreiteten Gelenkverrenkungen. Sie kann durch Stürze, abrupte und hektische Bewegungen oder wegen Gegendruck entstehen, weil man zum Beispiel mit einem stumpfen Gegenstand oder einer anderen Person zusammengeprallt ist.
  • Die posttraumatische, rezividierende Schulterluxation beschreibt die wiederkehrende traumatische Luxation, die nach einer bereits erlittenen Verrenkung erneut eingetreten ist.

    Oftmals entsteht sie durch beschädigte Kapselbänder oder andere Beeinträchtigungen der Rotatorenmanschette, welche als „Überbleibsel“ aus der vorigen Luxation gefolgt sind.

  • Die habituelle Schulterluxation hingegen soll durch eine generelle Fehlbildung bzw. Fehlstellung des Schultergelenks begründet sein. Manchmal kommt sie auch aufgrund einer Muskel- oder Bänderschwäche in den Schultern zustande.

    Diese „schwachen“ Muskeln in den Schultern können auch durch schlechte Bewegungsgewohnheiten zustande kommen, die zum Beispiel durch den statischen und bewegungsarmen Büroalltag entstehen können.

Erste Hilfe Maßnahmen bei einer Schulterluxation

Als erstes sollte in jedem Falle der Notdienst (112) gerufen werden. Denn je länger das Gelenk ausgekugelt bleibt, desto schwieriger wird das Einrenken und desto wahrscheinlicher sind bleibende Schädigungen. [5]

Der Geschädigte sollte seinen Arm außerdem ruhig halten und Bewegungen vermeiden. Eine Kühlung des Gelenks kann dabei Schmerzen und die Schwellung lindern.

Vor der Repositionierung sollte ein Bruch unbedingt ausgeschlossen werden (beispielsweise durch Röntgen), um etwaige weitere Folgeschäden zu vermeiden. Dies ist aber mit der Länge des Transports abzuwägen, da auch das ausgekugelte Gelenk zu Schädigungen führen kann und prinzipiell ein schnelles Einrenken empfohlen wird. [5]

Zur Entkrampfung der Muskeln ist es in einem solchen Fall empfehlenswert Schmerzmittel zu nehmen, was auch das Repositionieren des Schultergelenks erleichtert.

Für das Einrenken an sich stehen dem Arzt oder Therapeuten folgende manuelle Techniken zur Auswahl: [5]

  • Bei Reposition nach Hippokrates zieht der Therapeut oder Arzt am gestreckten Arm des Geschädigten, während mit dem Fuß Gegendruck in der Achsel ausgeübt wird.
  • Bei der Reposition nach Arlt sitzt der Patient auf einem Stuhl mit dem Arm über der Lehne als Gegendruck. Auch hier wird anschließend Zug am Arm ausgeübt.
  • Bei der Repositionierung nach Kocher wird der hängende Arm im mit Unterarm 90° Winkel nach außen rotiert und angehoben (aufgrund häufiger Brüche bei älteren Menschen er seltener angewandt)

Schulterluxation: Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten

Im Regelfall wird die Schulterluxation beim Arzt oder Physiotherapeuten behandelt. Je nach Intensität der Luxation und Schädigung der umliegenden Strukturen wird das verrenkte Gelenk entweder wieder eingerenkt (Repositioniert) oder – in seltenen schlimmen Fällen – unter leichter Narkose operativ berichtigt.

Nach dem Einrenken, bekommen die Patienten meistens einen klassischen Gilchristverband um, damit die Schulter fixiert und geschont wird. Bei älteren Patienten sollte darauf jedoch verzichtet werden, um eine Schultersteife zu vermeiden. [5]

Diese Ruhigstellung ist äußerst wichtig, weil dadurch laut Angaben klinischer Physiotherapeuten das Risiko einer erneuten Schulterluxation (die Reluxationsrate) auf 10% sinkt. [6]

Mit einem Verband die Schulterluxation behandeln

Darüber hinaus wird, um Schwellungen zu minimieren und Schmerzen zu verringern, oft entsprechende Schmerzmittel oder gezielte muskuläre Spritzen verabreicht. Diese sind bei sehr starken Schmerzen und für die Repositionierung der Schulter sicherlich angebracht. Für den weiteren Therapieverlauf sind Schmerzmedikamente jedoch höchst fragwürdig.

Denn durch sie werden nämlich im wahrsten Sinne des Wortes nur Symptome (der Schmerz) bekämpft – und nicht die Ursache. Falls man also nichts Grundlegendes an seinen Gewohnheiten hinsichtlich Bewegung ändert und in der Vergangenheit schon öfter „anfällig“ für eine ausgekugelte Schulter war, kann die Schulterluxation schneller wiederkehren, als Dir lieb ist.

Worauf solltest Du bei der Nachbehandlung einer Schulterluxation unbedingt achten?

Das oberste Ziel sollte für Dich sein, Deine muskuläre Beweglichkeit in den Schultern schnellstmöglich zurück zu erlangen. Natürlich solltest Du dabei nicht überstürzt vorgehen und „auf Teufel komm raus“ versuchen, Dein Schultergelenk mit überfordernden Übungen zu stabilisieren.

Äußerst ratsam ist allerdings trotzdem, dass Du durch Übungen zu Hause versuchst, den Genesungsprozess zu beschleunigen. Wichtig ist nur, dass Du es behutsam angehst und auf Deinen Körper hörst, wenn es zu viel wird. [7]

Besonders, wenn Du im Büro arbeitest beziehungsweise viel Zeit auf der Arbeit mit Sitzen verbringst, solltest Du auf die richtige Körperhaltung während der Arbeit achten.

Eine verkrümmte Haltung wirkt sich nicht gerade positiv auf Deine Schultermuskulatur aus. [8] Damit Du einer Schulterluxation präventiv vorbeugen kannst, findest Du hier 7 simple Übungen, die Du sofort ausprobieren kannst.

7 effektive Übungen, um einer Schulterluxation wirksam vorzubeugen

Die folgenden 3 weiteren Übungen steigern die Kraft, Stabilität und Flexibilität Deiner Schultern auf schonende Weise und eignen sich somit hervorragend als Nachbehandlung bei einer Schulterluxation.

  1. Die „Rücken abtrocknen“-Übung
  2. Die Übung wird im Video zwischen Minute 1.00 und 2.00 einfach vorgeführt und erläutert.

    Bei dieser Dehnübung benötigst Du ein Handtuch, das Du sicher irgendwie zuhause „rumfliegen“ hast – es sei denn Du stehst nicht so aufs Abtrocknen nach einer revitalisierenden Dusche.

    Du greifst das Handtuch mit beiden Händen hinter Deinem Rücken und ziehst es mit dem oberen Arm nach oben sowie mit dem unteren Arm nach unten. Durch die entgegengesetzte Richtung im Kraftaufwand entsteht eine leichte Spannung auf den Schultern.

    Nun ziehst Du das Handtuch mit dem oberen Arm abwechselnd hoch und runter – als würdest Du Deinen Rücken abtrocknen wollen. Wichtig ist allerdings, dass der untere Arm verhältnismäßig „steif“ bleibt. Der obere Arm leistet also die Zugarbeit, während der untere Arm in beinahe ausgestrecktem Zustand „mitgeht“, ohne dass die Ellbogen dabei einknicken.

    Auf diese Weise dehnst Du die Kapsel Deines hinteren Schultergelenks.

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  3. Die Plank-Übung (Unterarmstütz)
  4. Kommen wir nun zu einer Ausführung, die in die Kategorie der Kraftstabilisationsübungen (KSÜ) gehört und Deine Schultermuskeln stabilisieren wird, wenn Du sie regelmäßig anwendest.

    Dazu legst Du Dich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden, wobei Du in der Position des Unterarmstützes verbleibst. Deine Handflächen liegen flach auf dem Boden, während Du Deinen Körper vom Boden hochdrückst.

    Jetzt solltest Du mit dem Körper „in der Luft“ schweben, sodass lediglich die Zehen und Ellbogen den Körper noch vom Boden trennen. Spanne dabei zusätzlich Deine Bauchmuskeln an, damit Dein Gesäß während der Übung stabil bleibt und nicht in der Mitte absackt.

    Halte diese Position für etwa 30 Sekunden und wiederhole sie 5-6 Mal. Auf Dauer stabilisierst Du damit Deine Schultermuskeln und stärkst obendrein auch noch Deine Bauchmuskeln.

  5. Schulterkreisen
  6. Wie der Name schon verrät, werden beim Schulterkreisen Deine Schultern gekreist. Dieses „Kreisen“ besteht im Grunde aus 4 Elementen. Du ziehst Deine abwechselnd nach vorne in Richtung Brust, nach hinten in Richtung der Schulterblätter, nach oben zu den Ohren und nach unten in Richtung Gesäß.

    Jetzt kannst Du abwechselnd nach hinten und nach vorne kreisen. Um mit dem Kreisen nach hinten zu beginnen, ziehst Du Deine Schultern zunächst in Richtung der Schulterblätter, lässt sie dann Richtung Gesäß „fallen“, bevor Du sie zu den Brustmuskeln hin und anschließend nach oben zu den Ohren ziehst.

    Kreise Deine Schultern anschließend nach vorne, indem Du die Abfolge schlichtweg entgegengesetzt durchführst. Zieh Deine Schultern hoch zu den Ohren, dann zur Brust, anschließend zum Gesäß und zum Schluss in Richtung Schulterblätter.

    Schulterkreisen bei Schulterluxation

Fazit

Alles in allem beugst Du mit diesen Übungen effektiv gegen eine zukünftige Schulterluxation vor, indem Du die Durchblutung Deiner Muskulatur förderst, die Beweglichkeit Deiner Schultern verbesserst und die Stabilität Deines Schultergelenks begünstigst.

Bei regelmäßigem Anwenden kannst Du so wieder mit starken und beweglichen Schultern den Alltag bestreiten. Das wünsche ich Dir von Herzen.

Welche Übungen kennst Du, um einer Schulterluxation oder Schulterschmerzen im Allgemeinen vorzubeugen? Schreib mir Deine Tipps jetzt gerne unten in die Kommentare!

Bildcredits © Depositphotos: belchonock, kikochov, blueringmedia, decade3d, ecoten

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4 Kommentare zu “Schulterluxation: 7 einfache Übungen und Behandlungsmöglichkeiten gegen Schmerzen bei ausgekugelter Schulter

  1. Avatar von Marco Webers Artikel
    Norbert sagt:

    Danke für die hilfreichen Übungen und die erklärende Beschreibung. Ich hatte vor ca. 4 Jahren bei Schifahren einen Sturz mit ausgekugeltem Schultergelenk. Danach hatte ich noch einmal Probleme weil ich mich zu intensiv nach etwas gestreckt habe und das Schultergelenk machte mir wieder mir Probleme. Vor ein paar Tagen passierte mir wieder das gleiche. Nun bin ich für Ihre Erklärungen und die Übungen sehr dankbar. Da ich jetzt selbst etwas zu einer stabilen Schulter beitragen kann. Sollte ich ein Buch mit diesen Übungen finden werde ich es mir zulegen. Vielen Danke!!!

  2. Avatar von Marco Webers Artikel
    Hautmann Reinhard sagt:

    Wie lange halten denn die Schmerzen bei einer schulterluxstion an ? Es war nicht gebrochen und nichts gerissen. Wurde nur deponiert ?

    • Avatar von Marco Webers Artikel
      Krystian Manthey sagt:

      Das kann man nicht pauschal sagen, da das von sehr sehr vielen Faktoren abhängt. Andersherum gefragt: Wie lang halten Sie denn bei Dir schon an? Möglicherweise hat sich etwas entzündet oder aufgrund von Schonung eine Kalkschulter oder ähnliches gebildet.

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