002 – Hirnforscher Gerald Hüther im Interview

Ergotopia Podcast Gerald Huether im Interview

Deutschlands bekanntester Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther im Interview mit Ergotopia Geschäftsführer Alex Weitnauer.

Herr Hüther beantwortet uns 7 spannende Fragen zu den Themen Gewohnheiten, Lebensziele, Potenzialentfaltung und was es heißt, in Würde zu leben. Zudem gibt er Einblicke in sein persönliches Leben.

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Shownotes

Wir brauchen Gemeinschaften, deren Mitglieder einander einladen, ermutigen und inspirieren, über sich hinauszuwachsen.
– Gerald Hüther

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Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gemeinschaft
Rettet das Spiel! Weil Leben mehr als Funktionieren ist
Jedes Kind ist hoch begabt: Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen
Wie Träume wahr werden – Das Geheimnis der Potentialentfaltung
Was wir sind und was wir sein könnten – Ein neurobiologischer Mutmacher

7 Fragen an Gerald Hüther

Frage 1: Als wie wichtig erachten Sie Gewohnheiten im Leben eines Menschen? Welche Rolle spielen sie konkret im beruflichen Alltag?

  • Gewohnheiten dienen unter anderem zur Minimierung des Energieaufwands im Gehirn
  • In schwierigen Situationen, greifen wir auf Gewohnheiten zurück, um das “Durcheinander” zu ordnen
  • Gewohnheiten sind etwas, das Menschen nutzen können, um sich zu stabilisieren; idealerweise sollte es sich dabei um positive Gewohnheiten handeln
  • Um sich weiterzuentwickeln, brauchen Menschen neue Gewohnheiten und müssen “eingefahrene Bahnen des Denkens” verlassen

Lebenskompetenzen kann man nur im Leben erwerben – und nicht im Kaufhaus.
– Gerald Hüther

Frage 2: Viele Menschen wissen bereits, was gesund und was eher ungesund ist, was geistig und körperlich fit hält und was vielleicht eher kontraproduktiv ist. Warum fällt es uns dennoch so schwer, negative Gewohnheiten abzulegen und sie durch gewinnbringendere zu ersetzen? Warum „lieben“ wir teilweise unsere Laster und halten daran fest?

  • Viele negative Gewohnheiten waren früher einmal Lösungen
  • Beispiel: Jemand versucht sein Stresslevel durch exzessive Nutzung von Unterhaltungsgeräten zu senken, sich von der Realität abzulenken
  • Durch bestimmte Erlebnisse und Erfahrungen haben sich negative Gewohnheiten als vermeintlich hilfreiche Strategien herausgebildet, die jetzt jedoch in der neuen Lebenssituation eigentlich gar nicht mehr nötig wären

Frage 3: Wie schafft man es nun konkret, ungesunde Lebensgewohnheiten abzulegen und mit gesunden auszutauschen – zum Beispiel weniger Fertiggerichte essen und mehr selbst aus frischen Zutaten kochen? Was genau muss im Gehirn passieren, damit jemand von Fast Food auf selbstgemachte Gemüsepfanne umsteigt, oder sich mehr bewegt, statt zu oft auf der Couch fernzusehen?

Man kann Menschen helfen, dass sie verstehen, warum sie so „komisch“ unterwegs sind. Und dann müssen sie es selber ändern. […] Der Veränderungsprozess findet nur dann statt, wenn der Mensch es will.
– Gerald Hüther

  • Sogenannte “negative” Verhaltensmuster verschaffen uns meist kurzfristig Linderung, gute Gefühle oder Ablenkung
  • Nachhaltige Veränderung funktioniert letztlich nur über Selbsterkenntnis, intrinsische Motivation und den Mut, neue Wege zu beschreiten
  • Menschen, die eine große Vision, ein attraktives Ziel, ein ganz eigenes “Anliegen” im Leben haben, können leichter mit schwierigen Situationen umgehen
  • Je attraktiver und größer das Anliegen, desto größer auch die Bereitschaft, beim Erreichen hinderliche Verhaltensmuster ein für alle Mal loszuwerden
  • Am besten ist unser positives Anliegen sogar so groß, so gewaltig, dass wir es nie ganz zu erreichen vermögen

Auf den Punkt gebracht: Ziele, Visionen oder „Anliegen“ – wenn sie groß und attraktiv genug sind – helfen uns, vorübergehend unangenehme Situationen zu überwinden, um langfristig hilfreiche Gewohnheiten zu etablieren. Ist die innere Überzeugung erst einmal da, reicht oft eine einzige Entscheidung, um sofort eine Gewohnheit abzulegen.

Wenn einer wirklich will, kann er sich sofort verändern.
– Gerald Hüther

Frage 4: Eine persönliche Frage zwischendurch, wenn Sie erlauben: Hatten Sie selbst schon mal eine weniger hilfreiche Gewohnheit, die Sie erfolgreich abgelegt haben? Wenn ja, wie ist Ihnen das gelungen?

  • Zwischen Gewohnheiten können sehr starke Verknüpfungen entstehen
  • Selbst Herr Hüther hat das erfahren in Bezug auf die Verknüpfung zwischen Pfeife rauchen und kreativem Schreiben
  • Mitunter sind große Anstrengungen nötig, je nachdem, wie stark die Verknüpfung ist – Rituale beim Ablegen der Gewohnheit und Ersatzhandlungen können mitunter helfen
  • Der Schluss liegt nahe: So früh wie möglich gesunde und gewinnbringende Gewohnheiten etablieren
  • Welche Gewohnheit würdest Du persönlich gerne ablegen? Welche neue etablieren? Was könnte funktionieren? Schreib es uns gerne in die Kommentare!
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Frage 5: Stresserkrankungen sind heutzutage leider häufig. Gibt es ein „Rezept“ gegen den großen Druck, der im Arbeitsleben auf vielen Menschen lastet, gegen den Stress und letztlich für mehr Entspannung? Worauf sollten hier insbesondere auch Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter achten?

  • Die Ursachen für Stress liegen oft gar nicht im Außen, Menschen hatten auch früher nicht unbedingt weniger Stress
  • Menschen haben heutzutage oft kein stabiles Fundament mehr, keine guten Strategien, um Stress zu begegnen
  • Je stärker die 3 Säulen der Resilienz in unserem Leben sind, desto dicker das Eis, auf dem wir uns in stressigen Situationen bewegen

Die 3 Säulen der Resilienz

  1. Vertrauen in die eigene Kompetenz. Welche Probleme konntest Du in Deinem Leben bereits erfolgreich lösen? Wie könntest Du das gegebenenfalls auf die aktuelle Situation übertragen?
  2. Vertrauen, dass jemand da ist, der einem hilft. Hast Du ein starkes Umfeld, dem Du vertraust? Wie könntest Du es stärken?
  3. Vertrauen, dass es wieder gut wird. Der Glaube an etwas oder jemand Größeres, der schützend seine Hand über uns hält. Am Ende wird alles gut, wie im Märchen :-)
    Eingebunden sein in die Natur/den Kosmos. Teil eines großen Ganzen sein.

Da braucht man wirklich sehr gute Freunde und nicht 1500 Likes auf Facebook.
– Gerald Hüther

Frage 6: Was ist Ihr persönliches „Geheimnis“, um trotz vollen Terminkalenders bei öffentlichen Auftritten und in Interviews so entspannt und zugleich fokussiert sein zu können?

  • Herr Hüther bezeichnet sich als Strukturierer
  • Er arbeitet gerne Dinge nacheinander ab und macht nicht mehrere Dinge gleichzeitig
  • Das was er im Moment tut, macht er ganz – das sorgt für eine große Präsenz und hohe Effektivität
  • Spielerische Betrachtung selbst schwieriger Situationen
  • Gelassenheit: Nicht zu sehr in Dinge verbeißen und auch mal einen Schritt zurück machen können
  • Wenn Du etwas machst, dann mach es voll und ganz

Frage 7: Letzte Frage, die wir immer sehr gerne in Experteninterviews stellen: Welche 3 Bücher – egal aus welchem Fachgebiet oder Genre – sind Ihrer Meinung nach Must Reads, die jeder gelesen haben sollte?

  • Es gibt laut Gerald Hüther keine Bücher, die man zwingende gelesen haben “muss”
  • Das hängt stark von der jeweiligen Lebenssituation ab, in der sich ein Mensch jetzt gerade befindet
  • Es existieren dennoch einige großartige Bücher, die laut Herrn Hüther herausstechen und ihrer Zeit weit voraus waren, so zum Beispiel die Kinderbücher von Astrid Lindgren und Der kleine Prinz von Antoine De Saint-Exupéry

Ich glaube wir sollten uns nicht gegenseitig empfehlen, was für Bücher wir lesen, sondern dass wir uns gegenseitig Mut machen sollten, das Leben in seiner ganzen Vielfalt und Schönheit wieder anzuschauen und uns vielleicht in dieses zu verlieben. Das ist mehr wert als alle Bücher dieser Welt.
– Gerald Hüther

Wie hat Dir das Interview mit Prof. Dr. Gerald Hüther gefallen? Sag es uns in den Kommentaren! Teile diese Podcastfolge gerne auch bei Facebook, Twitter oder Deiner Webseite!

Gesunde und produktive Grüße
Dein Alex Weitnauer

Weiterführende Links (Womit beschäftigt sich Herr Hüther unter anderem aktuell?):

Kein Mensch kann die in ihm angelegten Potentiale entfalten, wenn er in seiner Würde von anderen verletzt wird oder er gar selbst seine eigene Würde verletzt.
– Gerald Hüther

Würdekompass: Gemeinsam – Würde – Stärken
Akademie für Potentialentfaltung
Gerald Hüthers Webseite

 
 
 
 
 
 

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