014 – Prof. Dr. med. Spitz über Gesundheitserhaltung in der heutigen Zeit

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Im Interview mit Ergotopia Geschäftsführer Alex Weitnauer verrät Dir Prof. Dr. med. Spitz die vier wichtigsten Säulen der Gesundheit. Erfahre außerdem, wie wir mithilfe der Verhältnisprävention eine Umwelt erschaffen können, in der die Gesundheitserhaltung wirklich möglich ist.

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Shownotes

Interview mit Prof. Dr. med. Spitz

Frage 1: Aktuellen Studien zufolge gibt es in Deutschland derzeit einige Gesundheitsprobleme. Das betrifft zum einen den Arbeitsplatz (Krankenstand, Muskel-Skelett-Erkrankungen), aber auch bereits die Jüngsten der Bevölkerung. So ist in Nordrhein-Westfalen beispielsweise jedes vierte Kind chronisch krank und jedes sechste Kind leidet in Deutschland an Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma. Müsste man nicht Konsequenzen daraus ziehen und mehr machen?

  • Viele Menschen haben noch nicht bemerkt, dass die eigentliche Umweltkatastrophe längst eingetreten ist: nämlich der Tsunami der Krankheiten (z.B. Rheuma, Schuppenflechte, Alzheimer).
  • Anstatt sich in der Gesellschaft um Präventionsmaßnahmen zu bemühen, werden Betroffene oft einfach in Heime gesteckt.
  • Probleme werden mit Schönfärbe-Maßnahmen vom Tisch weggerückt. Obwohl es vielen Menschen schlecht geht, zeigen Umfragen etwas anderes: So geben in diesen 80 % der erkrankten Menschen an, dass es ihnen trotz schweren Erkrankungen gut geht.
  • Die Vision von Prof. Dr. med. Spitz ist es, Menschen ein besseres Schmerzverständnis zu vermitteln. Erkrankte sollen verstehen, warum es ihnen schlecht geht und dass Krankheiten kein Schicksal sind. Er möchte das Bewusstsein schaffen, dass Krankheiten heilbar sind.

Frage 2: Oftmals wird behauptet, dass die moderne Lebensweise des Menschen Krankheiten begünstigt (z.B. durch Bewegungsmangel). Nun sind aber auch oft Kinder betroffen, die ihre Lebensweise noch nicht so gut selbst gestalten können. Liegen Gesundheitsprobleme zum Hauptteil an der Lebensweise oder liegt es auch an der Umwelt, die wir uns in den letzten Jahrhunderten selbst geschaffen haben?

  • Wir wissen seit 40 Jahren, wie wichtig Bewegung ist und dass das ständige Sitzen unserer Gesundheit schadet. Wir wissen seit mindestens 30 Jahren, dass wir uns falsch ernähren. Trotzdem fruchten die Maßnahmen zur Verhaltensprävention nicht.
  • Laut Studien verhalten sich 80 % bis 90 % der Menschen falsch (z.B. Ernährung, Bewegung oder Vitamin D).
  • Das Problem: Nicht der Einzelne verhält sich falsch, sondern die Gesellschaft. Der Einzelne schwimmt lediglich im Mainstream mit. Kinder werden in eine Welt hineingeboren, die ungesund geworden ist.
  • Einige Menschen schwimmen für einen gewissen Zeitraum gegen den Mainstream und versuchen, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Doch auf Dauer kann das extrem ermüdend sein, sodass man wieder im Mainstream mitschwimmt. Das ist der Grund, warum bisherige verhaltenspräventive Maßnahmen ineffektiv waren.

Frage 3: Also entsteht ein sozialer Druck, weil bestimmte ungesunde Verhaltensweisen zur Normalität geworden sind und wir dazu “genötigt” werden, mitzuschwimmen?

  • Die Bevölkerung wird heutzutage von Medien geführt, welche wiederum von der Großindustrie beeinflusst werden. Das Ziel der Medien ist es daher nicht, uns schlauer zu machen, sondern uns zu guten Konsumenten zu machen.
  • Verhältnisprävention kann diese Problematik erleichtern. Schafft man es aus einem ungesunden Umfeld (sei es die negative Schwiegermutter oder die Abgase vor der Haustür) in eine positive Umgebung, verhält man sich automatisch gesünder.
  • ”Wer in gesunden Verhältnissen lebt, kann sich ganz einfach gesund verhalten. Wer in toxischen Verhältnissen lebt, in schlechten bis krankmachenden Verhältnissen lebt, der hat es schwer.” – Prof. Dr. med. Spitz
  • Beispiele für die Verhältnisprävention sind der Arbeitsschutz (Reduzierung der Arbeitsunfälle und Krankheiten) oder der heutige Straßenverkehr (Rückgang der Todesfälle im Straßenverkehr um fast 90 % im Vergleich zu damaligen Zeiten). In beiden Fällen haben sich die Verhältnisse durch einen großen finanziellen Aufwand gebessert (z.B. Einführung von Airbags, ABS), der sich am Ende ausgezahlt hat.
  • Es bringt wenig, einzelne Personen zu mahnen. Viel wichtiger ist es, bestehende Verhältnisse zu verändern.
  • Ergotopia gehört beispielsweise auch zu den führenden Unternehmen im Bereich der Verhältnisprävention. Durch höhenverstellbare Schreibtische ändert Ergotopia die Verhältnisse am Arbeitsplatz und hilft bei der Bekämpfung von Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Frage 4: Um am Beispiel des Arbeitsplatzes zu bleiben: Durch die Veränderung des Umfelds erleichtert man das gesunde Arbeiten – beispielsweise, indem man einen höhenverstellbaren Schreibtisch ins Büro stellt. Bei der Verhältnisprävention schiebt man die Verantwortung nicht auf das einzelne Individuum, sondern hilft den Einzelnen, indem man die Verhältnisse verändert. Ist die Verhältnisprävention für Sie also ein guter Ansatz für die aktuell größten Gesundheitsproblematiken?

  • Es ist ein ganz entscheidende Ansatz, um aus der Misere herauszukommen.
    ”Wenn man es den Menschen erleichtert, sich gesund zu verhalten, dann verhalten sie sich auch gesund.” – Prof. Dr. med. Spitz
  • Im Rückblick auf unsere Evolution hat sich das Verhalten der Menschen sehr verändert. Als Jäger und Sammler sind wir täglich über 20 km gelaufen, um Nahrung zu finden. Heute bewegen wir uns viel weniger, kriegen viel weniger Sonnenlicht ab und ernähren uns ganz anderes. Es ist unsere Umwelt, die uns effektiv krank macht.
  • Unternehmen tragen eine große Verantwortung, die Umwelt wieder gesünder zu machen. Denn die Arbeitswelt ist Lebenswelt. Um die Arbeitswelt gesünder zu machen, lohnt sich jede Investition. Es ist wichtig, dass Unternehmer das verstehen. Nur so können viele Menschen erreicht und geholfen werden.
  • Prof. Dr. med. Spitz ist auch aus diesem Grund in Richtung Arbeitsschutz unterwegs. Er ist froh, auf Firmen wie Ergotopia zu stoßen, die gesunde Produkte anbieten und damit Menschen helfen.

Frage 5: Welche Problematiken sehen Sie aktuell im Gesundheitsbereich als die allergrößten an und was wäre die konkrete Lösung an einem Beispiel?

  • Es gibt vier wesentliche Bereiche, die uns gesund oder krank machen: Ernährung, Bewegung, Sonnenlicht und das Gehirn im Sinne der mentalen Verfassung. Achten wir auf alle Bereiche, sind wir gesund.
  • Geben wir dem Körper in den jeweiligen Bereichen jedoch nicht genug, steigt das Risiko im zunehmenden Alter für typische Krankheiten wie Herzkreislauf-Probleme, Rheuma oder Demenz.
  1. Ernährung: Auch die Ernährung ist umweltbedingt. Eine ungesunde Umgebung geht oftmals mit einer ungesunden Ernährung einher. In Deutschland nehmen wir zu 70 % weiterverarbeitete Lebensmittel zu uns. In Amerika sind sogar 90 % der Lebensmittel weiterverarbeitet. So ist die Lebenserwartung der Amerikaner in den letzten Jahren gesunken, weil sie aufgrund äußerer Einflüsse, wie der krankmachenden Ernährung, sterben.
  2. “Wir haben in Deutschland den schönen Namen ‘Lebensmittel’. Da steckt Leben drin. Und die Nahrung ist für uns Leben. Dazu müssen aber in diesen Lebensmitteln bestimmte Mikronährstoffe sein.” – Prof. Dr. med. Spitz
  3. Bewegung: Die Muskulatur, die Bewegung ausübt, ist ein endokrines Organ. Sie ist also eine Drüse, die bei Bewegung Botenstoffe ausschüttet. Diese Botenstoffe sind für den gesamten Körper wichtig. So sind beispielsweise die Botenstoffe Myokine für die Bildung neuer Gehirnzellen verantwortlich. Wenn man sich bewegt, tut man also Gutes für seinen Kopf und für alle anderen Organe.
  4. Sonnenlicht: Ein weiteres endokrines Organ ist unsere Haut. Sie ist eine Drüse, die jedoch nur optimal funktioniert, wenn sie von außen mit Sonne bestrahlt wird. Ansonsten kann sie kein Sonnenhormon (Vitamin D) bilden. Diese ist jedoch für alle Organe notwendig. Ohne Sonnenhormon funktionieren beispielsweise Zellen schlechter.
  5. Gehirn: Die Gehirnleistung ist abhängig von zwei Faktoren. Der erste Faktor ist, wie der gesamte Körper funktioniert (wie wird er ernährt? Wie bildet er Botenstoffe, die auf das Gehirn einwirken)? Umgekehrt ist der zweite Faktor, ob wir gute oder schlechte Gedanken haben. Abhängig davon, produziert das Gehirn unterschiedliche Botenstoffe, die sich auf den gesamten Körper auswirken.
  • Die Schulmedizin stempelt Mangelerscheinungen oft als Krankheiten ab. Dabei ist die Krankheit nur das Symptom dafür, dass darunter die Steuerung nicht stimmt – entweder weil falsche Einflüsse da sind oder weil gute Einflüsse fehlen.
  • Gibt man unabhängig vom Alter dem Körper in den Bereichen wieder genug zurück, lässt er auch seinen inneren Arzt wieder arbeiten.
  • Wir tragen bereits alles in uns. Unser Körper funktioniert automatisch, wenn der Körper von der äußeren Umgebung bekommt, was er benötigt. Daher sollte man die Umwelt so gestalten, dass sie einen gesund hält.
  • Auch ist das ja untergegangen, dieses Wissen: Dass wir von der Evolution eingebaut einen inneren Arzt haben, der heilen kann. Wir können Medikamente selber herstellen, Antibiotika herstellen – unter anderem durch das Sonnenlicht – und wir haben einen Arzt dabei, der sich um uns kümmert. Nicht ich, der Herr Professor heilt den Menschen. Ich kann dem inneren Arzt nur beim Heilen helfen.” – Prof. Dr. med. Spitz

    Frage 6: Was müsste sich an der derzeitigen Gesundheitskultur in Deutschland ändern, damit wir diese vier eben erwähnten Bereiche optimiert bekommen?

    • Die Schulmedizin nimmt oft den Körper auseinander und sieht alles einzeln. Jedoch ist der Körper als Ganzes zu betrachten. Weiteres Beispiel: Bewegungsmangel führt nicht nur zum Muskelabbau, sondern bringt auch das Gehirn zum Schrumpfen und erhöht das Risiko für Alzheimer.
    • Das Gesundheitssystem sieht keine Veränderung vor, da es mit Krankheiten Profit macht. Es ist eher zu einem Krankheitssystem geworden, an dem man als Einzelperson nicht viel ändern kann.
    • Daher ist es wichtig, politisch aktiv zu werden. So können Gesundheitslobbies viel mehr bewirken als ein einzelnes Individuum. Mit einem Netzwerk aus Gesundheitsexperten, Unternehmen etc. können große Veränderungen herbeigeführt werden. Daher hat Prof. Dr. med. auch seine Akademie für gesundheitliche Medizin gegründet.
    • ”Das Einzige, was Sie in unserer Gesellschaft gratis bekommen, ist die dauerhafte Krankheit. Wenn Sie da raus kommen wollen, müssen sie investieren. Sie müssen in die eigene Gesundheit investieren. […] Eine Investition trägt, wenn sie klug gemacht ist, vielfach Frucht. Und solch eine Investition, auch Zuhause, in ein sinnvolles Mobiliar ergibt wirklich Sinn.” – Prof. Dr. med. Spitz

    Frage 7: Welche Literatur oder weiterführenden Inhalte können Sie empfehlen? Womit kann man sich zusätzlich zu diesem Interview noch weiter beschäftigen?

    • “Vitamin D Mangel – die unterschätzte Gefahr” – Prof. Dr. med. Jörg Spitz.
    • ”Liebe lässt sich vererben: wie wir durch unseren Lebenswandel die Gene beeinflussen können” – Johannes Huber.
    • “Die Stille Revolution: Führen mit Sinn und Menschlichkeit” – Bodo Janssen.

    Weiterführende Links:

    Akademie für menschliche Medizin – AMM

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