010 – Digital Detox mit Dr. Daniela Otto: Entspannt und präsent in einer digitalen Welt

Im Interview mit Ergotopia Geschäftsführer Alex Weitnauer verrät Dir Dr. Daniela Otto wertvolle Tipps für einen bewussten Umgang mit digitalen Geräten. Außerdem erklärt sie, was es mit dem Begriff “Digital Detox” auf sich hat.

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Shownotes

Interview mit Dr. Daniela Otto

Frage 1: War die Einführung des Smartphones positiv oder negativ? Und brauchen wir Smartphones überhaupt?

  • Das Aufkommen des Smartphones hat sowohl positive als auch negative Seiten. Die neue Technik fasziniert, jedoch kann sie auch überfordern. Eine solche Überforderung nennt man in den Medienwissenschaften “Schock der neuen Medien”
  • Dies ist allerdings kein neues Phänomen und konnte bereits bei der Einführung des Filmmediums beobachtet werden
  • Das Smartphone sollte in der Bedürfnispyramide keinen zentralen Platz einnehmen. Zur optimalen Kommunikation im Alltag ist es jedoch meistens notwendig. Im Notfall geht es aber auch ganz ohne Smartphone.

Frage 2: Viele Menschen haben sich an den Gebrauch von Smartphones gewöhnt. Wie kommt es, dass manche Menschen fast schon in Panik geraten, wenn sie ihr Smartphone nicht finden?

  • Durch die Formung von Großstädten erfährt der Mensch eine ihm bis dahin unbekannte Anonymität. Das verstärkt einerseits seine empfundene Freiheit, löst ihn aber andererseits von sozialen Strukturen und damit vom wichtigen Gefühl der Verbunden- und Geborgenheit.
  • Die Konnektivität durch das Smartphone nimmt uns dann diese Ur-Angst, alleine zu sein, außen vor zu sein.

Frage 3: Gibt es so etwas wie eine Smartphone-Sucht?

  • Durch die Bestätigung in Form von “Likes” etc. wird das Glückshormon Dopamin im Gehirn ausgeschüttet.
  • So kann ein Suchtkreislauf entstehen, da das Gehirn dann immer wieder nach diesem “Kick” sucht

Frage 4: Wie kann man von den Vorteilen profitieren, ohne Gefahr zu laufen, von den Nachteilen betroffen zu sein?

  • Man sollte sich erst mal über die eigene Nutzung bewusst werden. Wie beim Essen kann man sich anschauen, was man überhaupt konsumiert.
  • Ist man sich der eigenen Smartphone-Nutzung bewusst, ist es leichter den Drang zu bekämpfen, das Smartphone bei jeder neuen Nachricht direkt in die Hand zu nehmen.

“Das Smartphone soll uns dienen und nicht andersherum.”

– Dr. Daniela Otto

Frage 5: Ist diese bewusste Nutzung Teil des “Digital Detox” oder was genau versteht man darunter?

  • Die bewusste Nutzung ist ein relevanter Aspekt des Digital Detox. Ein Leitsatz des Digital Detox ist: “disconnect to reconnect”, also zu Deutsch: “abschalten, um sich neu zu verbinden”.
  • Man sollte sich hin und wieder ganz bewusst von der Ablenkung und Beeinflussung digitaler Medien lösen.

Frage 6: Ist es sinnvoll oder problematisch, dass heute bereits kleine Kinder digitale Geräte so stark nutzen?

  • Eltern sollten sich bewusst machen, dass sie eine wichtige Vorbildfunktion haben.
  • Die Nutzung von Smartphone und Co durch Kinder sollte in Maßen erfolgen, Zeiteinschränkungen können helfen, wenn es auch so vorgelebt wird.

Frage 7: Ab welchem Alter sollten Kinder an die digitale Welt herangeführt werden?

  • Heutzutage ist es nicht mehr möglich, Kinder von der digitalen Welt fernzuhalten.
  • Eine Aufklärung über diese Medien ist wichtig. Eltern sollten aber auch kontrollieren, welche Inhalte ein Kind konsumiert und für wie lange.

Frage 8: Was raten Sie Leuten, die bei anderen Personen eine übermäßige Smartphonenutzung feststellen?

  • Im Idealfall sollte die andere Person selbst erkennen, dass das Leben auch ohne Smartphone sehr schön sein kann.
  • Offene Gespräche sind ratsam. Jedoch gilt es, sich immer behutsam an das Thema heranzutasten, und nicht mit Vorwürfen zu arbeiten.

Frage 9: Smartphones können Produktivitätskiller sein. Was raten sie Büroarbeitern, um Herr über ihre Smartphonenutzung zu werden?

  • Die Theorie des Flow-Zustands besagt, dass wir 15 Minuten brauchen, um uns in eine Aufgabe einzufinden und konzentriert zu arbeiten.
  • Um leichter in einen Flow-Zustand zu kommen und darin zu verbleiben, sollten ALLE Ablenkungen vermieden werden. Dazu gehört ein bewusster Verzicht aufs Smartphone und sonstige digitale Kommunikation.

Frage 10: Wie gelingt es Ihnen persönlich, auf bewusste Art mit Ihrem Smartphone umzugehen?

  • Frau Dr. Otto fängt gerne mit der Einführung kleiner Alltagsrituale an. Denn Digital Detox ist keine Einmalaktion, sondern zielt auf eine langfristige Verhaltensänderung ab.
  • Das kann zum Beispiel eine Mittagspause oder ein Spaziergang ohne Smartphone sein.
  • Im Idealfall ist man allerdings schon für mindestens 24 Stunden offline. Stichwort: “medienfreier Tag”. Ein guter Zeitpunkt für einen längeren Digital Detox ist oft der Urlaub.
  • Man kann beispielsweise auch erst mal nur eine Stunde offline sein und die smartphonefreie Zeit allmählich steigern.

Frage 11: Haben sie neben ihrem Buch ”Digital Detox” noch weitere Literaturempfehlungen zum Thema? Sie haben auch ein zweites Buch veröffentlicht, wovon handelt es?

  • Frau Dr. Ottos zweites Buch handelt vom Einfluss der Medien auf die Liebe.
  • Weitere Buchempfehlungen: Bücher, die sich mit Natur beschäftigen. Meist kriegt man durch das Lesen Lust, rauszugehen, auf Entdeckungsreise, um in Ruhe neue Erkenntnisse über sich und die Welt zu gewinnen.

Weiterführende Links:

Digital Detox – Wie Sie entspannt mit Handy & Co. leben

Lieben, Leiden und Begehren – Wie Filme unsere Beziehungen beeinflussen. Hollywoods geheime Liebesbotschaften entschlüsselt.

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