Behandlung der Haglundferse (Haglund Exostose): 9 Übungen und Tipps

Haglundferse Behandlung

Die Haglundferse (auch Haglund Exostose) ist ein knöcherner Fortsatz – ähnlich einem Sporn – am Achillessehnenansatz an der oberen Ferse. Die meist schmerzhafte Erkrankung wird deshalb auch als oberer Fersensporn bezeichnet.

Dieser entsteht meist aufgrund einer Über- beziehungsweise Fehlbelastung der Füße. Die daraus resultierenden Fersenschmerzen können mit den richtigen Alltagsveränderungen und Übungen meist jedoch gut behandelt werden.

Symptome und Diagnose der Haglundferse

Besonders aktive Läufer, Übergewichtige und Frauen, die gern erhöhte und enge Schuhe tragen, sind häufig von der Haglundferse betroffen. Dabei kommt es an der Stelle, wo die Ferse an der Innenseite des Schuhs reibt, zu Fußschmerzen.

Zwar kann die Haglund Exostose an beiden Füßen vorkommen, ist aber meist einseitig oder zumindest auf einer Seite stärker. Dies ist damit zu erklären, dass jeder ein bevorzugtes Standbein hat, auf das im Alltag mehr Belastung ausgeübt wird.

Haglundferse Schmerzen

Zu Beginn der Erkrankung treten die Fersenschmerzen nur gelegentlich auf, meist als sogenannter Anlaufschmerz bei den ersten Schritten, und verschwinden dann wieder. Werden diese Anzeichen lediglich mit Schmerzmitteln betäubt und ignoriert, kommt es schnell zur zunehmenden Verknöcherung (Überbein).

Durch die hieraus entstehende knöcherne Vorwölbung werden auch die angrenzende Achillessehne (Achillodynie) und die umgebenden Schleimbeutel (Bursitis) oftmals gereizt, wodurch sie sich entzünden und zusätzliche Beschwerden erzeugen. Dies wird unter Medizinern dann als Haglund-Syndrom bezeichnet. Schmerzfreies Gehen oder Laufen wird so zunehmend schwerer.

Häufige Symptome:

  • Hornhautbildung am hinteren Fersenbein
  • Schwellung, Überwärmung und Rötung im Bereich der Ferse und Achillessehne
  • Druckschmerz und erhöhter Ruheschmerz
  • Fersenschmerz nach Bewegung häufig geringer

Für die Diagnose der Haglundferse können Dein Hausarzt oder Dein Orthopäde, neben der Symptombefragung, auf Abtasten, Röntgen oder Ultraschall des Fußes setzen. Da der knöcherne Sporn jedoch nur selten so groß ist, dass er operativ entfernt werden muss, genügt in der Regel die manuelle Untersuchung.

Abgesehen davon, dass die Röntgenuntersuchung in den meisten Fällen keinen diagnostischen Mehrwert liefert, können Röntgenstrahlen schädigend auf dein Erbgut wirken, weshalb auch der Röntgenpass eingeführt wurde. Zwar ist dieses Risiko extrem gering. Dennoch sollen laut Studien etwa 1,5 Prozent der jährlichen Krebsfälle darauf zurückzuführen sein. Röntgenuntersuchungen sollten daher auf ein notwendiges Minimum reduziert werden.[1]

Ursachen und Risikofaktoren der Haglundferse

Welch „tragende“ Funktion Deine Füße in Deinem Leben einnehmen, wird meist erst klar, wenn normales Laufen vor Schmerz kaum noch möglich ist. Zwar können auch erblich bedingte Fehlstellungen – wie ein stark vorgewölbtes Fersenbein – zur Haglund Exostose führen, in den allermeisten Fällen sind jedoch Fehl- oder Überlastungsschäden ursächlich.

Neben offensichtlichen Risikofaktoren wie zu engen Schuhen, zu steifem Schuhmaterial im Fersenbereich oder zu intensivem Lauftraining, spielt auch Bewegungsmangel und übermäßiges Sitzen eine Hauptrolle.

Warum das so ist, offenbart ein Blick in die anatomische Beschaffenheit menschlicher Füße: Dein Fersenbein (lat. Calcaneus, umg. Hacke oder Ferse), ist nach oben hin mit der Achillessehne verbunden. Beim Laufen überträgt diese die Kraft von der Wade auf das Fußskelett.

Sind Wade und/oder Achillessehne allerdings verkürzt und verspannt, entsteht eine hohe Zugkraft. Dein Fersenbein vermindert diesen Zug durch Bildung eines knöchernen Fortsatzes am Ansatz der Achillessehne. Die Haglundferse ist entstanden.

Wodurch verkürzen nun aber Wade und Achillessehne?
Über Jahrmillionen ist der Mensch und seine Vorfahren teils bis zu 40 Kilometer pro Tag gelaufen: Es ging über rutschigen Sand, weiches Gras, harte Steppenböden und durch verwurzelte Wälder – und zwar überwiegend barfuß! Diese unterschiedlichsten Bodenbeschaffenheiten dehnten und stärkten die Füße auf vielfältige Weise. [2]

Der moderne Büroarbeiter hingegen bewegt sich häufig kaum mehr als zwei Kilometer am Tag. [3] Wenn wir laufen, ist es fast immer über harte, ebene Böden und in immer denselben Schuhen. Die Strukturen unsere Füße passen sich an diese Anforderungen an: Muskeln, Faszien und Bänder verkürzen. Belasten wir sie dann doch wieder, kommt es schnell zu Entzündungen, Schmerzen und in diesem Fall zur Haglundferse.

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Risikofaktoren zur Entstehung der Haglundferse:

  • Bewegungsmangel: Der Mensch ist evolutionär für Bewegung „gemacht“. Der moderne Sitzalltag führt zu Muskel- und Faszienverhärtungen, verkürzten Bändern und verschlechtert die Selbstheilung. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt deshalb 10.000 Schritte (etwa 7 Kilometer) täglich zu gehen – das hält insbesondere die Achillessehne und die Wade geschmeidig.
  • Falsches Schuhwerk: Zu enge, aber auch zu große Schuhe können die Fersenrückseite beim Gehen reizen und so zu Schleimbeutelentzündungen an der Achillessehne und damit zur Haglundferse führen. Schuhe oder Einlagen mit Fersenerhöhung (auch bei vielen Herrenschuhen der Fall) verkürzen die Wadenmuskulatur zusätzlich und können so zu Achillessehnenentzündungen führen.
  • Fehlendes Barfußlaufen: Das Barfußlaufen auf unterschiedlichsten Untergründen dehnt und stärkt Deine Fuß- und Wadenmuskeln und beugt Fußfehlstellungen wie dem Hohlfuß entgegen. Beim Hohlfuß wölbt sich das Fersenbein nach hinten und begünstigt eine Haglundferse. Falls Du zeitlich oder örtlich nur wenig zum Barfußlaufen kommst, können moderne Barfußschuhe, Fußgymnastik, Fußmassagen oder das Stehen auf einer Akupressurmatte helfen.
  • Überlastung: Menschen, die beruflich viel laufen müssen und vor allem Läufer, entwickeln wegen der Schuhreibung schnell Entzündungen im Fersenbereich. Dickere Socken, Schuhe mit weichem, flexiblem Fersenbereich oder Fersenfreies Schuhwerk wie Flipflops können hier Abhilfe schaffen.
  • Übergewicht: Jedes zusätzliche Kilo, auch durch häufiges und schweres Tragen, vergrößert die Belastung auf Deine Füße – insbesondere dann, wenn Du schlechtsitzende oder falsche Schuhe trägst oder bereits Fußfehlstellungen wie einen Hohlfuß hast.
  • Ungünstige Schlafposition: Beim Schlafen auf dem Bauch sind die Füße meist überstreckt. Dadurch werden die Achillessehne und die Wade über Nacht stark verkürzt. Die Folge können die typischen Anlaufschmerzen in der Ferse sein, die auf eine Entzündung der Achillessehne oder auf die Haglundferse hindeuten können.

Behandlung der Haglund Exostose: Hilfreiche Übungen und Therapiemaßnahmen

Gegen die akuten Schmerzen der Haglundferse hilft Kühlung, das Tragen von dickeren Socken oder fersenfreien Schuhen wie Flipflops. Willst Du die Fußschmerzen aber ganz loswerden, sind weitere Maßnahmen nötig.

Da die Haglundferse maßgeblich durch verspannte Wadenmuskulatur, eine verkürzte Achillessehne sowie durch falsche Schuhe verursacht wird, können folgende Maßnahmen besonders wirksam sein:

  1. Ausgleich muskulärer Dysbalancen: Dehnung der fußsenkenden Muskeln und Bänder (Wade und Achillessehne) sowie Stärkung der fußhebenden Muskeln (Schienbeinmuskulatur)
  2. Häufiger Barfuß gehen und laufen auf natürlichen und abwechslungsreichen Untergründen
  3. Selbstheilung und Stoffwechsel stärken zum Beispiel durch Fußmassagen, Fußwechselbäder und Stehen auf einer Akupressurmatte

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Übungen gegen Schmerzen der Haglundferse

Die folgenden Selbsthilfe-Übungen sollen die muskulären Dysbalancen Deiner Waden und Füße wieder ausgleichen. Du solltest allerdings keine Besserung von heute auf morgen erwarten, sondern geduldig und ausdauernd sein und die Übungen mindestens ein bis zwei Mal täglich über mehrere Wochen ausführen.

Die konventionelle Therapie sieht meist Schuheinlagen und Schmerzmittel für die Behandlung der Haglundferse vor. Einlagen verstärken allerdings – wie bereits erwähnt – die Verspannung und Verkürzung der Wadenmuskulatur. Auch Schmerzmittel sollten immer mit Bedacht eingenommen werden. Denn bei Arznei gilt: keine Wirkung ohne Nebenwirkungen. Außerdem besteht die Gefahr, dass durch die Schmerzbetäubung, schädigende Einflüsse auf den Fuß (z. B. falsches Gangart oder Überlastung) nicht bemerkt werden und sich die Haglundferse sogar verschlimmert. [4] Ebenfalls sollte die Operation die letzte Möglichkeit darstellen und zuvor alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft werden. Denn auch jede Operation birgt Risiken.

Übung #1: Waden „rollen“

Haglundferse Übung Faszienrolle

Diese Übung dient der Lockerung Deiner Wadenmuskulatur. Dadurch reduziert sich der Zug auf die Achillessehne und gleichzeitig wird die Durchblutung verbessert.

Lege Dich dabei einfach mit einem Bein auf Deine Faszienrolle und rolle langsam beginnend am Fußende Richtung Kniekehle. Übe dabei durch Gewichtsverlagerung nur so viel Druck aus, wie für Dich aushaltbar. Möglicherweise triffst Du hierbei auch auf kleine „Knubbel“, sogenannte Triggerpunkte, in der Wade. Das „Abrollen“ dieser kann zwar schmerzhaft sein, beschleunigt in der Regel aber die Heilung und Entspannung.

Übung #2: Waden dehnen an der Wand

Wade und Achillessehne dehnen

Stelle Dich hierzu etwa anderthalb Meter von einer Wand entfernt im Ausfallschritt, also mit einem Bein vorn, hin. Lehne Dich nun mit Deinen Händen oder Unterarmen gegen die Wand.

Falls Du noch keine Dehnung im hinteren Bein spürst, schiebe Dein Becken weiter nach vorn, knicke das Bein leicht ab oder vergrößere den Abstand zur Wand. Wichtig ist, dass die hintere Ferse auf dem Boden bleibt. Halte die Position zwei Minuten pro Seite.

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Häufiger Barfußlaufen

Wann immer Dir möglich, solltest Du barfuß laufen. Warum? Weil dadurch Deine Fußmuskeln, -sehnen und –bänder sowie Deine Waden gedehnt und gestärkt werden. Wenn es Dir im Alltag schwerfällt oder unangenehm ist, könntest Du zumindest bei Ausflügen ins Grüne häufiger barfuß gehen.

Zusätzlich empfehle ich Dir, Dich von Deinen „normalen“ Schuhen zu trennen und auf Barfußschuhe umzusteigen (einige Anbieter haben sehr moderne und schicke Schuhe). Denn herkömmliche Schuhe bringen in der Regel mindestens eine der drei folgenden Probleme mit sich:

  • Sie haben eine Fersenerhöhung und verkürzen damit beim Gehen Deine Achillessehne und Wadenmuskulatur, was wiederum eine Haglundferse und Entzündungen begünstigt.
  • Sie haben eine Fußgewölbe-Unterstützung und nehmen Deinen Füßen so jegliche Haltearbeit und Bewegungsflexibilität ab und schwächen sie zusätzlich – ein Teil der Dämpfung beim Laufen findet eigentlich durch das Absinken des Fußgewölbes statt.
  • Die Zehenbasis ist nach oben gewölbt, wodurch sich der Zug der Plantarfaszie – die dort entlang bis zu Deinen Zehen läuft – auf Dein Fußgewölbe erhöht und damit einen Hohlfuß begünstigt.

Der Umstieg auf Barfußschuhe beziehungsweise Barfußlaufen vermag sogar Deine Knie-, Wirbelsäulen- und Hüftschmerzen positiv zu beeinflussen – vorausgesetzt: Du beachtest die „Regeln“ gesunden Gehens: [5][6]

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Selbstheilung und Stoffwechsel anregen

Die folgenden Maßnahmen wirken zwar nicht direkt auf Deine Haglundferse, können aber Deinen Stoffwechsel und Deine Durchblutung verbessern. Dadurch können Immunzellen schneller ihre Arbeit verrichten und verbessern so Deine Selbstheilungskräfte:

  • Mache Fußyoga oder Fußgymnastik und massiere Deine Füße, insbesondere im Bereich der Achillessehne. Du solltest dabei keine Schmerzen haben. [7]
  • Bekannt aus der Kneipp-Therapie: Wechselbäder für die Füße – Sie regen die Durchblutung an. [8][9]
  • Nutze eine Akupressurmatte zur Fußreflexzonenmassage. [10]
  • Verzichte auf jegliche Drogen (auch Alkohol und Nikotin).
  • Verzehre nährstoffreiche und biologisch gesunde Lebensmittel.

Akupressurmatte um Muskelverspannungen zu loesen

Bildcredit: © Depositphotos.com/catinsyrup



[1] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(04)15433-0/fulltext
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Barf%C3%BC%C3%9Figkeit
[3] Krankenkasse, Techniker. “Beweg Dich, Deutschland.” TK-Studie zum Bewegungsverhalten der Menschen in Deutschland (2013).
[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2907928/
[5] https://www.stern.de/gesundheit/barfusslaufen-schuhe-aus–3595362.html
[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28808276
[7] https://www.archives-pmr.org/article/S0003-9993%2814%2900130-0/abstract
[8] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1466853X03001226
[9] https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00421-007-0605-6
[10] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21208128

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